Thema: Zerspanung im Umbruch

Die aufkommende Elektromobilität zwingt Werkzeughersteller zum Umdenken und erhöht den Druck auf neuartige Ansätze gerade im Bereich der Zerspanung. Für die Fertigung einzelner Bauteile und Komponenten, die spanend bearbeitet werden, braucht es innovative Bearbeitungslösungen. Auch Hersteller von Werkzeugmaschinen sehen die Notwendigkeit in der Herstellung von engeren Toleranzen auf deren Maschinen.

Wie reagieren Sie als Werkzeug- oder Maschinenhersteller auf die neuen Herausforderungen? Welche Chancen/Änderungen ergeben sich für Sie im Bereich der Elektromobiliät?

Frau Giovanna Malagnino , Segment Manager Transportation, Walter AG

Walter sieht im Trend zur E-Mobilität vor allem Chancen. Wir arbeiten schon einige Zeit eng mit Unternehmen zusammen, die hier führend sind. Als prozessorientierter Anbieter sind wir frühzeitig in die Produktionsplanung eingebunden und bringen unser Know-how in Zerspanungsstrategien ein. Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Leistungssteigerung ist schon länger ein Trend in der Automobilindustrie, immer stärker treten neue Werkstoffe hinzu. Hochfeste Aluminiumlegierungen, BiMetall-Werkstoffe, hochbeständige Stähle, Verbundwerkstoffe – die neuen Werkstoffe bedeuten für Werkzeuge vor allem hohen Verschleiß, für die produzierenden Unternehmen höhere Kosten pro Bauteil.

Andreas Scherer, Vertriebsleiter, FMT Tooling Systems

Die Elektromobilität bedeutet gerade für den Anwendungsbereich des Automobils eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Neue Dimensionen von Bearbeitungsteilen fordern neue Lösungen insbesondere im Bereich Werkzeugaufnahme und Werkzeug. Bei der FMT stellen wir uns im Bereich Entwicklung und Produktion, immer in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern, diesen Herausforderungen. Neben dem Automobil dringt der Elektroantrieb in immer weitere Mobilitätsfelder vor.

Hier Lösungen anzubieten bedeutet gleichzeitig interessante Ausweitung des Produkt- und Marktprofils.

Gerd Neher, Geschäftsführer, Neher Group

Wir von der Neher Group haben uns von Anfang an intensiv mit der Entwicklung der E-Mobilität beschäftigt. Zu Beginn machte es den Anschein, dass in naher Zukunft deutlich mehr E-Motoren als Verbrenner verbaut werden und irgendwann nur noch E-Autos auf unseren Straßen zu sehen sind. Eine Schwarz-Weiß-Betrachtung in der Entwicklung der Antriebstechnologie ist aber unserer Ansicht nach nicht zielführend. Viel mehr wird sich ein Mix einstellen. Es werden sich die richtigen Technologien für die richtigen Anforderungen herausstellen müssen. So verlangt es der Markt. Nichtsdestotrotz ergeben sich Änderungen für uns Werkzeughersteller. Werkzeuge werden in anderen Dimensionen gefordert, die aber gleichzeitig in den bestehenden Maschinen eingesetzt werden sollen. Für den Werkzeughersteller bedeutet dies, die Werkzeuge konstruktiv neu zu gestalten und ggf. neue Fertigungstechnologien einzusetzen. Wir bei der Neher Group setzen hier unter anderem auf die additive Fertigung. Mit dieser Technologie können wir aber nicht nur Werkzeuge anforderungsgerecht herstellen, sondern auch unsere Kunden z. B. im Bereich des Prototypenbaus unterstützen. Auch die Rohstoffverknappung bspw. durch die Akku-Produktion hat Auswirkungen auf die Werkzeughersteller. Durch die stark gestiegene Nachfrage nach Kobalt nehmen Lieferengpässe z. B. bei Hartmetallen zu. Es bleibt auf jeden Fall span(n)end.

Dr. Jochen Kress, Geschäftsführender Gesellschafter, Mapal

Wir bei Mapal haben uns frühzeitig auf einen Technologiewandel weg vom Verbrennungsmotor eingestellt und uns strategisch entsprechend aufgestellt. Der Wandel wird mittel- bis langfristig große Auswirkungen auf unser Geschäft haben. Denn eine Vielzahl unserer Werkzeuge kommt bei der Fertigung des Antriebsstrangs zum Einsatz. Mapal ist stark mit der Automobilbranche verwurzelt. So haben wir jahrzehntelang Erfahrung bei der Bearbeitung verschiedener Bauteile gesammelt. Unter anderem bei der Feinbearbeitung von Getriebegehäusen. Diese Erfahrung haben wir auf die zu zerspanenden Bauteile in elektrisch angetriebenen Fahrzeugen übertragen und entsprechende Werkzeugkonzepte inklusive des Bearbeitungsprozesses entwickelt. Wir sind heute bereits Partner vieler Automobilhersteller, OEM und Maschinenhersteller, wenn es beispielsweise darum geht, die Stator- oder Batteriegehäuse hochgenau zu bearbeiten. Neben den Lösungen für elektrisch angetriebene Fahrzeuge verstärken wir zudem unser Engagement im Bereich der Luftfahrt sowie im Werkzeug- und Formenbau. Ein weiteres Standbein haben wir uns mit unserem Start-up c-Com geschaffen, das innovative Lösungen rund um das Management von Werkzeugen und deren Daten im Bereich der zerspanenden Fertigung anbietet.

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