DOWNLOAD: Als registrierter Benutzer haben Sie die Möglichkeit, viele Artikel auch als PDF herunter zu laden. Wenn Sie sich zunächst registrieren möchten, dann können Sie das hier tun.
Wenn Sie bereits Zugangsdaten haben, melden Sie sich bitte rechts unter ANMELDEN mit Ihrem Benutzernamen und Passwort an.
  • Seitenaufrufe: 3204
  • Artikel eingestellt am: Dienstag, 13 Mai 2014
  • Autor(en): Elisabeth Strack
  • Diamanten von der Goldküste

    Diamanten von der Goldküste

    Zunächst spielten Diamanten nur eine Nebenrolle: Ghana ist ein westafrikanischer Staat, der im Westen an die Elfenbeinküste, im Norden an Burkina Faso, im Osten an Togo und im Süden an den Atlantischen Ozean grenzt. Die Hauptstadt Akkra liegt an der Küste. Der Name „Ghana“ ist vermutlich arabischen Ursprungs, er dürfte auf die alte westafrikanische Stadt mit gleichem Namen zurückgehen, über deren Verbleib nichts mehr bekannt ist. Die Diamanten haben überwiegend „nur“ Industriequalität.

    Ghana ist der zweitgrößte Goldproduzent in Afrika, der Abbau dominiert den Bergbausektor und bestimmt etwa 90 Prozent der Exporterlöse. Das Land verdankt seinen ursprünglichen Namen den reichhaltigen Goldvorkommen. Bis etwa 1850, als die Goldfelder in Kalifornien entdeckt wurden, war die Goldküste der wichtigste Goldlieferant. Diamant nimmt im Vergleich dazu, zusammen mit anderen Bodenschätzen wie z.B. Bauxit, Mangan, Kalkstein und Erdöl, eine zweitrangige Position ein. Diamanten wurden 1919 am Birim River, nicht ganz 100 Kilometer nordwestlich von Akkra, entdeckt. Bis 1924 folgten weitere Funde in der ebenfalls im Birimtal gelegenen Gegend von Akwatia, dem heutigen Diamantenzentrum. Es handelt sich, wie in allen übrigen westafrikanischen Ländern, um Alluviallagerstätten, die in tief gelegenen, häufig überschwemmten Gebieten zu finden sind. Sie wiesen ursprünglich eine auffallend hohe Konzentration an Diamanten auf, die auf stark diamanthaltige Kimberlite als Zufuhrquelle hindeutet. Der genaue Ursprungsort konnte bis jetzt nicht bestimmt werden und erst 1943, mehr als zwanzig Jahre nach der Entdeckung des ersten Diamanten, wurden Anzeichen eines durch Metamorphose veränderten Kimberlits gefunden. Für die Diamantentstehung kommen Kimberlitintrusionen im Bereich des westafrikanischen Kraton in Frage, der sich über fast 2.600 Kilometer hinweg von der nördlichen Grenze Mauretaniens bis zur südöstlichen Spitze von Ghana zieht und sich in west-östlicher Richtung über 1.200 Kilometer erstreckt.
    Die erste kimberlitische Episode hat wahrscheinlich vor 1.9 bis 1.7 Milliarden Jahren stattgefunden und wird von Geologen mit Kimberlitvorkommen im Gebiet von Venezuela, Guyana und Brasilien in Verbindung gebracht. Es wird davon ausgegangen, dass der größte Teil der ursprünglichen Kimberlite (einschießlich der normalerweise mit Kimberlit assoziierten Begleitminerale) durch starke Erosion verschwunden ist. Sie ist durch das äußerst aggressive tropische Klima in Westafrika bedingt, gekennzeichnet von starken Regenfällen und hohen Temperaturschwankungen, für das es weltweit kein vergleichbares Beispiel gibt.

    Beschaffenheit

    Die Diamantkristalle sind auffallend klein, weisen aber fast perfekte Oktaederformen auf. Risse, Bruch- und Spaltstellen sind selten. Auch fehlen Spaltstücke, die auf einen längeren Transport der Kristalle hindeuten könnten. Dies lässt darauf schließen, dass die Primärlagerstätte sich möglicherweise nordöstlich von Akwatia befunden hat. Das Gebiet ist Teil einer heute noch von starken Erdbeben gekennzeichneten Bruchzone. Eine weitere Bruchzone im Golf von Guinea ist wahrscheinlich für ein zweites alluviales Vorkommen im Westen Ghanas verantwortlich, dessen Kimberlite in eine zweite, wesentlich jüngere Episode datiert werden, die in der Kreidezeit, vor etwa 137 Millionen Jahren, stattgefunden hat. Das Vorkommen liegt bei Dunkwa, im Grenzgebiet zur Elfenbeinküste. Es wurde vor allem in den 1970er Jahren auf beiden Seiten der Grenze von einheimischen Diamantengräbern bearbeitet, zumal ein Teil der Diamanten durch Flüsse in das Gebiet von Aboissa in der Elfenbeinküste transportiert worden war. Darüber hinaus gibt es in Ghana über das ganze Land verstreut eine Reihe vereinzelter, isolierter Diamantvorkommen, deren Ursprung unklar ist, die aber auch keine Rolle für den Abbau spielen.

    Der Abbau am Birim River findet bis heute zum größten Teil im Kleinstbergbau statt, dessen Hilfsmethoden nur selten über Hacke und Schaufel hinausgehen. Nach der Unabhängigkeit übernahm das staatliche Unternehmen Ghana Consolidated Diamonds Ltd. (später in Great Consolidated Diamonds Ltd. umbenannt) die Aufsicht und war für die offizielle Produktion verantwortlich. Das Unternehmen, durch einen Liefervertrag an die Diamond Corporation von De Beers gebunden, konzentrierte allerdings seine eigenen Aktivitäten auf den Abbau eines einzigen größeren Diamantenfeldes bei Akwatia. Dabei kamen technische Hilfsmittel wie Schaufelbagger, Lastwagen und Diamant-Waschanlagen zum Einsatz. Der einheimischen Bevölkerung war es nach wie vor erlaubt, in den Randzonen oder bereits abgebauten Gebieten zu graben. Die Diamantengräber durften die gefundenen Diamanten an zwei Banken im Land verkaufen, von denen sie auch Kredite erhielten. Die Banken ihrerseits verkauften die Diamanten an die Diamond Corporation weiter, die auf diese Weise wiederum dafür sorgte, dass die Produktion aus dem Kleinstbergbau unter der Kontrolle des Syndikates blieb und nicht auf dem freien Markt als Störfaktor auftreten konnte. In guten Jahren kamen bis zu einer Million Karat im Jahr zusammen. Das Modell, Prototyp der Ausbeutung in Ländern der Dritten Welt, verstrickte die Diamantengräber schnell in ein Abhängigkeitssystem, aus dem sie sich allein nicht mehr befreien konnten.

    Schwierigkeiten bei der Förderung

    Schon sechs Monate nach der Staatsgründung am 6.3.57 kam es zu ersten Schwierigkeiten. Der Spiegel berichtete in seiner Ausgabe No. 35 vom 28.8.1957 unter der Überschrift „Rebellen im Busch“, dass der junge Staat Ghana bemüht ist, sich aus den Klammern einer internationalen Monopolmacht zu lösen. Mit der Monopolmacht war das Unternehmen De Beers, zu dieser Zeit noch von Sir Ernest Oppenheimer geführt, gemeint. Der „Präsident dieser jüngsten Negerrepublik, Kwame Nkrumah“, so der Spiegel, wolle die Ausbeute der Diamantvorkommen nicht länger allein dem Oppenheimer-Syndikat überlassen.

    Nkrumah strebte danach, sein Land direkt an der Diamantenausbeute teilhaben zu lassen und begann, persönlich internationale Käufer nach Akkra einzuladen, die nach Bezahlung von etwa 100.000 Pfund für eine Handelskonzession direkt einkaufen konnten. Im Herbst 1957 reiste sogar eine westdeutsche Kommission nach Ghana, die Verhandlungen darüber führte, ob Diamanten eventuell als Zahlungsmittel für von der Bundesrepublik geleistete Entwicklungshilfe (unter anderem Hilfe beim Bau des Volta-Staudamms) geliefert werden könnten. Immer mehr Käufer aus verschiedenen Ländern kamen so nach Ghana. Sie etablierten sich auch in Liberia, wohin zunehmend Diamanten aus Ghana und Sierra Leone geschmuggelt wurden. Oppenheimer verurteilte die Aktivitäten als „illicit diamond buying“ und reagierte mit der Entsendung eigener Aufkäufer, die in Akkra jede Menge Rohdiamanten zu Höchstpreisen aufkauften. Auf diese Art und Weise konnte die Situation wieder stabilisiert werden. Es wird heute davon ausgegangen, dass Ghana in den 1960er Jahren jährlich bis zu zwei Millionen Karat produzierte. Bereits in den ersten zehn Jahren hatte die damalige Kolonie Goldküste als eines der ertragreichsten diamantproduzierenden Länder gegolten. Die Jahresproduktion lag schon früh bei etwa einer Million Karat und erreichte 1935 die doppelte Zahl. In den 1970er Jahren war bereits der größte Teil der Diamanten abgebaut worden und die technische Ausstattung war veraltet. Hinzu kamen finanzielle Probleme, sodass es nicht erstaunlich ist, dass die Produktion immer weiter nach unten ging. 1991 war ein Tiefstand von offiziell nur 146.000 Karat erreicht worden. Die Zahl dürfte kaum der wirklichen Produktion entsprochen haben, die wahrscheinlich bei etwa 700.000 Karat lag. Nach einem Bericht Menschenrechtsorganisationen Partnership Africa Canada und Global Witness von 2004 zu urteilen, wurden in den frühen 1990er Jahren etwa 70 Prozent der Produktion aus dem Land geschmuggelt. Heute ist die 1989 im Kampf gegen den ständigen Schmuggel gegründete PMMC (Precious Minerals Marketing Company Limited) für die Vermarktung der Rohdiamanten zuständig. Das Unternehmen residiert in einem eigenen Gebäude in Akkra, dem sog. „Diamond House“, in dem vor einigen Jahren auch eine Diamantschleiferei eingerichtet wurde. Die Diamantproduktion steht immer noch unter der Aufsicht der Great Consolidated Diamond Limited und stammt in der Zwischenzeit sowohl aus technisiertem Abbau (als „Large Scale Mining“ bezeichnet) als auch aus dem Kleinstbergbau („Small Scale Mining“). Die einheimischen Schürfer, im Land „galamsey“ genannt, können ihre Diamanten jetzt direkt vor Ort oder im „Diamond House“ an lizenzierte Firmen verkaufen, die ihrerseits von Inspektoren der Ghana Minerals Commission überwacht werden. Sie stehen darüberhinaus unter der Kontrolle der PMMC, die für die Einhaltung der Exportregeln im Rahmen des Kimberley Process verantwortlich ist. 2006 hatte die UN vorübergehend ein Embargo für Diamanten aus Ghana ausgesprochen, da das Land im Verdacht stand, Konfliktdiamanten zu exportieren. Die Diamantreserven im Birim-Becken werden auf noch etwa 11 Millionen Karat geschätzt. Die Suche nach weiteren Vorkommen ist bis jetzt nicht besonders erfolgreich gewesen. 2006 begannen die 1989 gegründete Paramount Mining Corporation Ltd. und die Leo Shield Exploration Ghana Ltd. im Osenasegebiet zu prospektieren, das eine Fläche von 330 Quadratkilometern, etwa 25 Kilometer südlich von Akwatia, umfasst. Ein zweites Gebiet, das in Angriff genommen wurde, ist Ochinso, es liegt innerhalb des Birim-Feldes und erstreckt sich über eine Fläche von 37 Quadratkilometern. 2012 gab eine nicht näher bezeichnete Investorengruppe ihren Plan bekannt, einhundert Millionen Dollar am Birim River für die Verbesserung der Abbaumethoden zu investieren. Der Staat scheint diesem Vorhaben nicht nur wohlwollend gegenüber zu stehen, da er den Kleinstbergbau, sozusagen das wirtschaftliche Rückgrat der Region um Akwatia, nicht gefährdet sehen will. Die Jahresproduktion hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten auf einem eher niedrigen Niveau eingependelt. Sie wird für 2009 mit 370.000 Karat angegeben und liegt in den letzten Jahren bei etwa 300.000 Karat, 2011 wurden 281.000 Karat mit einem Gesamtwert von 15.74 Millionen Dollar und einem Durchschnittspreis von $ 55.97 per Karat exportiert. Ghana verkauft heute auch geschliffene Diamanten, letztere in Größen bis zu 0.85 Karat (sie dürften sehr selten im eigenen Land vorkommen). Die PMMC ist offen für alle Arten von Käufern, allerdings unter der Voraussetzung dass der Export streng nach den Regeln des Kimberley Process erfolgt.

    Verarbeitung

    Rohdiamanten werden an Ort und Stelle sortiert, unterteilt in sog. Sizes (4 Steine pro Karat und größer), Melees (5-12 Steine per Karat), Sand (18-28 Steine per Karat) und Dust (Staub - 56 Steine und mehr per Karat). Wie schon erwähnt, ist der größte Teil der Kristalle gut ausgebildet und klein, die durchschnittliche Größe liegt bei unter 0.10 Karat. Industriequalitäten, die dunkle Farben aufweisen, dominieren. Nur etwa 10-20 Prozent der Diamanten sind weiß und können als Schmuckqualitäten verwendet werden.

    Diamanten-Land an der Goldküste

    An die Ozeanküste schließt sich eine Küstenniederung an, ein breiter Streifen flachen Landes mit weiten Sandstränden und Mangrovengebieten, die allmählich in Buschland und relativ flache Regenwaldgebirge von nicht mehr als 900 Meter Höhe übergehen. Der Norden ist trocken und von Savannenbewuchs gekennzeichnet. Das Land wird in nord-südlicher Richtung von mehreren breiten Flusssystemen durchflossen. Am wichtigsten ist das Volta-Becken im östlichen Landesteil, zu dem der 1966 fertig gestellte Volta-Stausee gehört. Er sollte die wirtschaftliche Entwicklung des damals noch jungen afrikanischen Staates sicherstellen und gilt mit einer Größe von 8502 Quadratkilometer bis heute als das größte künstliche Gewässer der Erde. Ghana hat etwa 24 Millionen Einwohner, die sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammensetzen, es werden etwa 79 Sprachen gesprochen. Die heutige Amtssprache ist Englisch, die Sprache der früheren Kolonialmacht. Aus der Kolonialzeit dürfte auch die weitgehende Zugehörigkeit zu christlichen Kirchen stammen. Die Vielzahl der einheimischen Sprachen reflektiert die komplizierte Geschichte der Besiedlung des Landes, das seit der Steinzeit, unterbrochen von Klimaveränderungen und Dürreperioden, von verschiedenen Kulturen durchzogen worden ist. Um 1600 begann in Zentralghana der Aufstieg des Aschantireiches zur beherrschenden Macht, die Aschanti setzten sich später auch in mehreren Kriegen gegen die britischen Kolonialtruppen zur Wehr.

    Deutsche Relikte

    Um 1820 hatte England den britischen Handelsposten an der Goldküste als Kolonialstützpunkt übernommen und erklärte 1874 den Küstenstreifen zur Kronkolonie, 1901 folgte der restliche Teil des Landes. Seit 1471, als die ersten portugiesischen Seefahrer gelandet waren, war die Küste ein Anlaufspunkt für den Sklaven- und Goldhandel gewesen. Zahlreiche Forts verschiedener europäischer Mächte (darunter auch Preußen), geben davon noch Zeugnis. Sie gehören heute zum Unesco-Weltkulturerbe.
    1957 erklärte die Goldküste, zusammen mit British-Togoland (der ehemaligen deutschen Kolonie), ihre Unabhängigkeit und wurde unter dem neuen Namen Ghana als erstes schwarz-afrikanisches Land Mitglied im Commonwealth of Nations. Ghana war das erste Land, das von der Kolonialmacht Großbritannien unabhängig geworden war. Die Unabhängigkeitsbewegung, die 1947 eingesetzt hatte, ist eng mit dem Namen Kwame Nkrumah verbunden. Er verfolgte einen sozialistischen Kurs, dem der wirtschaftliche Ruin folgte.

    Perspektiven

    Nach mehreren Putschs und von Korruption und Willkür geprägten Jahren erlangte das Land unter dem ehemaligen Hauptmann Jerry Rawlings in den 1980er und 1990er Jahren relative wirtschaftliche und soziale Stabilität. Der heutige Präsident heißt John Dramani Mahama. Ghana, dessen Einwohner heute korrekterweise als Ghanaer und nicht mehr als Ghanesen bezeichnet werden, ist immer noch ein Land der Dritten Welt. Die Lebenserwartung ist höher als in den meisten anderen afrikanischen Ländern (sie gilt als die fünfhöchste in Westafrika), und die Kindersterblichkeit ist in den letzten zwanzig Jahren erheblich gesunken. Aber die Analphabetenrate ist hoch, und die hohe Arbeitslosigkeit bringt es mit sich, dass vor allem junge Leute keine Arbeit finden und in die Städte abwandern. Vor allem in der Hauptstadt ist in der Zwischenzeit ein städtisches Proletariat entstanden, das sich immer mehr von der traditionellen Großfamilie entfernt. Mehrere zehntausend Jugendliche leben auf der Straße und immer mehr junge Leute gehen ins Ausland, vor allem nach Europa. Aufgrund ihres geringen Ausbildungsstandes finden sie meistens nur Arbeit als Hilfskräfte. Die Arbeit ermöglicht es Ihnen aber, ihre Familien zu Hause zu unterstützen.

    (Foto: Fotolia)