• Firma: Kompetenzzentrum für Schleiftechnologie und Feinstbearbeitung Furtwangen (KSF)
  • Autor(en): Tilo Michal
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  • Artikel eingestellt am: Donnerstag, 19 September 2013
  • Prof. Taghi Tawakoli, Hochschule Furtwangen, Deutschland

    Prof. Taghi Tawakoli leitet an der Hochschule Furtwangen das Kompetenzzentrum für Schleiftechnologie und Feinstbearbeitung (KSF). Als Institutsleiter einer Hochschule, die sich sehr stark dem Praxisbezug und der Prozessoptimierung verschrieben hat, ist er "Pendler zwischen den Welten“. Der Institutsgründer wird in den kommenden Monaten sein Werk übergeben, ein neuer Nachfolger ist schon bestimmt.

    DIAMOND BUSINESS: Sie leiten nicht nur ein Institut, sondern sind auch als Wissenschaftler, Redner, Prozess- Analytiker gefragt. Wie bekommt man das Ganze unter einen Hut?

    Tawakoli: Im Jahr 1995 habe ich an der Hochschule Furtwangen mit der Forschung angefangen, ohne dass ein einziges Werkzeug vorhanden war. 1997 habe ich den Arbeitskreis Schleiftechnologie gegründet, dem mittlerweile 20 renommierte Firmen angehören. Unser Forschungsinstitut habe ich offiziell im Januar 2001 in den heutigen Räumlichkeiten gegründet. Von Anfang an habe ich auf die direkte, unmittelbare Verbindung zwischen Praxis und Theorie gesetzt. Diese vielfältigen Aktivitäten konnten nur durch die Unterstützung meiner Mitarbeiter und auch meine 60- bis 70-stündige Wochenarbeitszeit bewältigt werden.

    DIAMOND BUSINESS: Auch mit zahlreichen großen Schleiftechnologie- Symposien, zum Beispiel im renommierten Haus der Wirtschaft in Stuttgart, haben Sie sich einen Namen gemacht. Was nehmen Sie persönlich aus so einer Veranstaltung mit?

    Tawakoli: Die Seminare „Moderne Schleiftechnologie und Feinstbearbeitung“, die wir im zweijährigen Rhythmus veranstalten, wurden bisher neun Mal durchgeführt. Wir wollen den Teilnehmern, die meist aus der Industrie kommen, Lösungen zu ihren Problemen anbieten und ihnen die konkrete Umsetzung neuer Entwicklungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis aufzeigen.

    DIAMOND BUSINESS: Welche Trends oder Neuentwicklungen bzw. neue Materialien sind für Sie beachtenswert bzw. haben das Potenzial den Markt zu verändern?

    Tawakoli: Der Trend geht zu einer immer weiter steigenden Qualität, niedrigeren Toleranzen und einem Bedarf an stabilen Prozessen und der Wiederholbarkeit der Qualitäten. Neue Werkstoffe wie Hybridwerkstoffe, faserverstärkte Werkstoffe sowie die neuen keramischen Werkstoffe finden verstärkten Einsatz in der Industrie und bringen entsprechende Probleme in der Bearbeitung mit sich. Die neuen Materialien bringen keine Revolution mit sich, die Stahl, Aluminium, Kunststoff und die heute eingesetzten Werkstoffe überflüssig machen; es kommt vielmehr zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der neuen Materialien, die das langsame Verdrängen der vorhandenen Werkstoffe zur Folge haben.

    DIAMOND BUSINESS: Wie sehen Sie die Lasertechnologie als substituierendes Verfahren gegenüber dem konventionellen Schleifprozesses?

    Tawakoli: Lasertechnologie wird den Schleifprozess nicht ersetzen. Der Einsatz von Laser kann aber in der Zukunft beim Abrichtprozess und vor allem für das Abrichten und Strukturieren von cBN- und Diamantwerkzeugen eine größere Bedeutung bekommen.

    DIAMOND BUSINESS: Was ist für Sie die größte Herausforderung in den kommenden Monaten und Jahren?

    Tawakoli: Die größte Herausforderung liegt zum einen im starken Wettbewerb aus den Niedriglohnländern und zum anderen in der Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa, die noch immer nicht überwunden ist.